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Lebende Hunde als Haiköder

Als ich heute morgen in mein Lieblingstauchforum schaute las ich sofort die Überschrift "Lebende Hunde als Haiköder". Zuerst schoss mir nur ein Gedanke in den Kopf: Scheiße, jetzt Bildzeitungsniveau auch in diesem Forum. Also ignorieren. Etwas urkomisch war dann die Tatsache, das mir eine Stunde später in der U-Bahn jemand mit der Bildzeitung in der Hand gegenüber saß. Reflexartig scannte ich die Schlagzeilen des Boulevardblattes ab und was stand in riesen Buchstaben über der Seite? Richtig: Lebende Hunde als Haiköder. Das ganze natürlich verziert mit einem süßen Welpen, dem ein Haken durch die Nase gezogen war. Der Gedanke, ob Piercing jetzt auch bei Hunden Einzug gehalten hat... so ganz unberechtigt war er in dem Moment nicht. Hunde als Haiköder? Moment, ich war in einem Tauchforum, welches sich für den Schutz der Haie einsetzt. Wo war jetzt der Sinn? Soll man vielleicht doch lieber Katzenbabys benutzen die die Haie besser verdauen können? Eine Antwort werde ich vielleicht nie bekommen.

Hunde als Haiköder, keine schöne Sache. Und eine wirklich tolle Sache, worüber man viel schreiben kann. Alle Deutschen schreien auf, das geht doch nicht, die süßen Welpen. Man muss auch garnicht viel nachdenken, um festzustellen, dass das einfach nicht richtig ist, diese süßen knuddeligen Tierchen als Köder zu mißbrauchen.

Mir drängen sich da andere Schlagzeilen aus der Tagespresse auf. 100 Urlauber tot - Deutsche nicht darunter. Was ist los, sind wir Deutsche bessere Menschen als andere Urlauber? Oder gar als die Einheimischen? Kann man wirklich froh sein, wenn es keinen Deutschen, aber dafür einen Spanier oder Polen erwischt hat? Was gibt uns das recht, so zu denken?

Hunde als lebendige Köder, das geht runter wie Öl. Ratten als lebendige Versuchsobjekte, das interessiert keinen. Gut, Ratten kann man nicht so gut knuddeln wie den Dackel von Oma Erna aus einem Stockwerk höher. Hundewelpen anderen Tieren zum Fraß vorwerfen, das geht nicht. In anderen Ländern sind das Delikatessen. Schlimm? Wie kann man Hunde essen. Aber dürfen wir das so wirklich sagen? Dürfen wir anderen vorschreiben, was sie mit ihren Haustieren anstellen während wir Tag für Tag nur in Deutschland hundertausende von Tieren abschlachten, nachdem sie teilweise unter unsäglichen Bedingungen aufgewachsen und ins Konzentration... äh, tschuldigung, zum Schlachthof geliefert wurden.

Hunde so zu behandeln ist falsch, das sagt unser Instinkt, und Unrecht haben wir damit keineswegs. Aber ist ein Hund mehr wert als der Igel, den ich gestern abend fast über den Haufen gefahren hab (er ist rechtzeitig davongetrabbelt)? Ein durchschnittliches deutsches Hausschwein hat möglicherweise mehr Intellekt als ein Schäferhund. Und deutlich mehr als der Bildzeitungsleser aus der U-Bahn, klar. Und wer meint, bei den bellenden Haiködern handelt es sich um einen nie dagewesenen Skandal, dem empfehle ich einen Besuch in einem durchschnittlichen Schlachthof. Oder die konsequente Rückverfolgung des Weges seines Frückstückseis. Das ist dann der ganz "normale" Wahnsinn, der jeden Tag passiert, aber selten Erwähnung in der Bild der Frau findet.



04.08.2005, 09:13
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