Vorsicht, Politik(er)
Betreff: Vorsicht, Politik(er)! Datum: Sat, 06 Jun 2009 01:20:12 +0200 Von: Jan Dankert <xxxxxxxxx@jandankert.de> An: xxxxxxxxxxx@jandankert.de Hallo zusammen, es ist normalerweise nicht meine Art, lange Mails an riesige Verteiler zu schicken. In diesem Fall mache aber ausnahmsweise von der Möglichkeit gebrauch. Bitte nehmt es mir nicht übel. So, worum geht es und warum schicke ich diese scheiß-lange Mail? Vielleicht schaut Ihr jeden Abend Tagesschau. Tut Ihr? Dann habt Ihr vielleicht in kurzen Beiträgen von den Gesetzentwurf(!) des „Bundesministeriums für Familie“ gehört, Internetseiten mit Kinderpornographie zu sperren. Dazu hielt die Ministerin ein großes STOPP-Schild in die Kamera. Gutes Ansinnen? Kinderpornographie ist leider ein Thema, dass sehr polarisiert. Natürlich gibt es sie, und es sollte alles unternommen werden, diese zu verhindern. Aber heiligt der Zweck alle Mittel? Warum schreibe ich nun diese Mail? Weil diese Vorhaben nicht nur völlig sinnlos, unsinnig, sondern sogar gefährlich ist. Kinder werden hier für ein Wahlkampfthema missbraucht. Das Ansinnen von Frau Leyen mag auf den ersten Blick nobel erscheinen, es ist leider eine Mogelpackung. Lest bitte diesen Artikel: http://www.heise.de/ct/Die-Argumente-fuer-Kinderporno-Sperren-laufen-ins-Leere--/artikel/135867 und diesen http://www.heise.de/ct/Warum-die-geplante-Kinderporno-Sperre-nicht-Gesetz-werden-darf--/artikel/138426 Frau Leyen impliziert einen „Massenmarkt“ für Kinderpornographie, den es nicht gibt. Ich bin seit 1992 „online“ und Ihr könnt mir eines glauben, ich weiß, was es im Internet gibt, wo man was findet und was für Arten von Pornographie es so gibt. Eines kann ich sagen: Mir ist noch keine einzige Internetseite präsent geworden, auf der mit Kinderpornographie geworben wurde. Diesen „Massenmarkt“ gibt es nicht! Es ist mir schleierhaft, wie man auf so etwas überhaupt kommen kann. Die geplanten Sperren sind höchst unwirksam und selbst für Laien in 30 Sekunden zu umgehen. Wieso ist das ganze gefährlich? Weil dem Staat so ein bequemes Mittel zur Zensur in die Hand gegeben wird - ohne richterliche Kontrolle. Dies darf es nicht geben. Bereits jetzt gibt es Begehrlichkeiten bei der Unterhaltungsindustrie, dann doch auch gleich illegale MP3-Seiten zu sperren. Wo soll das hinführen? So weit ist China nicht weg. Es gibt eine Online-Petition, welche sich gegen die geplanten Internetsperren stellt und in die sich jeder deutsche Bürger eintragen kann. Herr Guttenberg hat alle Unterzeichner (es sind bereits über 100.000) bereits in der Tagesschau in die pädophile Ecke gestellt. Was für ein Griff ins Klo - er hat die Petition nicht mal gelesen. Aber bitte lest Ihr sie. Die Petition findet Ihr hier: https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition%3Bsa%3Ddetails%3Bpetition%3D3860
Ihr sollte diese Petition nicht mir zuliebe unterschreiben - aber wenn Ihr dieses Thema verfolgt, tut Ihr es vielleicht von alleine. Leider ist dieses wichtige Thema in den Massenmedien kaum präsent. Sogar der SPIEGEL hält sich brav zurück und schreibt in seinen Druckausgaben kein Wort über dieses Thema. Sehr traurig, da diese Sperren Gift für eine Demokratie sind. Offenbar ist es wichtiger, die Millarden zu zählen, die der Staat in die von immer noch agierenden Zockern geführten Pleitebanken pumpt. Traurig. In Hamburg-Billstedt ist grad wieder ein Jugendzentrum mangels Geld geschlossen worden - die Jugendlichen sitzen jetzt wieder auf der Straße und bauen Scheiße. Halt, ich schweife vom Thema ab... Es ging um Kinderpornographie, richtig. Offenbar geht man bei den „Experten“ im Familienministerium davon aus, dass man sofort Konsument wird, wenn man sich solche Bilder ansieht. Ich lauf auch nicht gleich in den nächsten Zoo, nur weil ich mir Tierpornographie angeschaut hab! Herr, schmeiß Hirn vom Himmel. Was könnte man nun machen? So ganz destruktiv möchte ich nicht dastehen. Es gibt in Kiel eine Beratungsstelle für Pädophile, bei der sich Menschen, die sich pädophil fühlen, anonym beraten können. Ja, man stelle sich vor, es gibt Menschen, die wissen, dass sie pädophil sind und etwas dagegen tun möchten. Und das sind garnicht wenige. Wieso gibt es diese Beratungsstellen nicht in allen Bundesländern? Das würde wirklich etwas bringen! Wenn ich eines in meinem Leben gelernt habe, dann, dass man Dinge nicht einfach unter den Teppich kehren (oder ein rotes STOPP-Schild davorhängen) darf, sondern offen disktutieren sollte. Nun ja. Eigentlich wollte ich noch Position für eine Partei machen (keine „etablierte“, sondern eine von denen „Sonstigen“ - noch) - aber ich habe das wieder gelöscht - ich denke, Ihr seid alt genug, das selbst zu entscheiden. Hier noch ein paar lesens- und sehenswerte Seiten. „Kampf gegen Kinderpornographie im Internet scheitert am BKA-Dienstweg“ http://ak-zensur.de/2009/06/bka-dienstweg.html „Wen interessiert schon Fachwissen“ http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30435/1.html „Die Legende von der Kinderpornoindustrie“ http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/03/25/die-legende-von-der-kinderpornoindustrie/
„Die Generation C64 schlägt zurück“ http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,628017,00.html (ein für Spiegel-Online ungewöhnlich guter Artikel - leider nur in der Rubrik „Netzwelt“, sollte besser in „Politik“ stehen). „Einblicke in die Kinderpornoszene“ http://www.wikileaks.com/wiki/Einblickeindie_Kinderpornoszene (Sehr lesenswert und dann nochmal über das Vorhaben von Frau Leyen nachdenken). „Du bist Terrorist“ http://www.schockwellenreiter.de/blog/2009/05/20/du-ist-terrorist-ja-du/
Erschreckendes von MdB Guttenberg: http://zettelsraum.blogspot.com/2009/05/zitat-des-tages-kinderpornographie.html Ich bedanke mich fürs Lesen und macht am Sonntag das richtige Kreuz. Eigentlich wollte ich noch was zu Killerspielen schreiben (schließlich war ich einige Zeit in der „Szene“ aktiv), aber dabei würde mir wohl entgültig die Hutschnur reißen bei dem Bockmist, der da gerade verzapft wird. Ach, ein Link noch dazu: http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/06/05/innenminister-greifen-durch/
06.06.2009, 01:21
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